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Key Terms: Internationale Beziehungen
Kurzgefasst Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet „internationale Beziehungen“ das Studium und die Praxis politischer, wirtschaftlicher und sicherheitsrelevanter Interaktionen zwischen Staaten und anderen globalen Akteuren, darunter internationale Organisa…

Kurzgefasst Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet „internationale Beziehungen“ das Studium und die Praxis politischer, wirtschaftlicher und sicherheitsrelevanter Interaktionen zwischen Staaten und anderen globalen Akteuren, darunter internationale Organisationen, Unternehmen und nichtstaatliche Gruppen. Die UN-Charta verankert grundlegende Prinzipien wie die souveräne Gleichheit der Staaten, das Gewaltverbot, die friedliche Streitbeilegung, die Nichteinmischung und die Achtung der Menschenrechte. Im offiziellen […]

Kurzgefasst

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet „internationale Beziehungen“ das Studium und die Praxis politischer, wirtschaftlicher und sicherheitsrelevanter Interaktionen zwischen Staaten und anderen globalen Akteuren, darunter internationale Organisationen, Unternehmen und nichtstaatliche Gruppen. Die UN-Charta verankert grundlegende Prinzipien wie die souveräne Gleichheit der Staaten, das Gewaltverbot, die friedliche Streitbeilegung, die Nichteinmischung und die Achtung der Menschenrechte.

Im offiziellen chinesischen Diskurs steht „internationale Beziehungen“ (国际关系) nicht nur für das Studium oder die Praxis von Beziehungen, sondern für eine normative Vorstellung davon, wie diese gestaltet werden sollten. Ein „neuer Typ internationaler Beziehungen“ (新型国际关系), gekennzeichnet durch gegenseitigen Respekt, Fairness, Gerechtigkeit und Win-win-Kooperation, ist ein zentrales Konzept in den Xi-Jinping-Gedanken über Diplomatie. China präsentiert sich als die Verteidigerin der UN-Charta und fordert eine „Demokratisierung der internationalen Beziehungen“ (国际关系民主化) – im Gegensatz zu dem, was es als westlichen Interventionismus darstellt, der unter dem Banner von Demokratie und Menschenrechten die Souveränität anderer Staaten untergräbt und sich in ihre innere Angelegenheiten einmischt.

Analyse

Chinas „Grundnormen der internationalen Beziehungen“ (国际关系的基本准则) sind offiziell in den Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz verankert: gegenseitige Achtung der Souveränität und territorialen Integrität, Nichtangriff, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Gleichheit und gegenseitiger Nutzen sowie friedliche Koexistenz. Ursprünglich 1954 formuliert, wurden sie während der Mao-Ära als Grundlage moderner internationaler Beziehungen propagiert – und als Gegenentwurf zu dem, was China als US-geführten „Hegemonismus“ und „Machtpolitik“ betrachtete. 

Von Anfang an dienten diese Prinzipien der Verteidigung von Chinas Kerninteressen: Die Unterstützung der Unabhängigkeit Taiwans oder Kritik an der Tibet-Politik wurden als Verstoß gegen die grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen, insbesondere gegen das Nichteinmischungsprinzip, dargestellt. Der „neue Typ internationaler Beziehungen“ bezog sich anfangs auf das Verhältnis innerhalb des sozialistischen Lagers, vor allem zur UdSSR. Dieses war durch den leninistischen „proletarischen Internationalismus“ geprägt und wurde von China als Modellbeziehung propagiert –  bis es die UdSSR nach dem sino-sowjetischen Bruch 1963 zum Verletzer internationaler Normen erklärte.

Ab den 1970er Jahren übernahm China die Rhetorik der Blockfreienbewegung zur Demokratisierung der internationalen Beziehungen und verknüpfte deren Forderung nach mehr Handlungsmacht in der globalen Governance mit der eigenen Betonung von Souveränität und die Ablehnung des „Großmacht-Hegemonismus“ von USA und UdSSR. Das Prinzip der „Achtung der Souveränität und territorialen Integrität“ wurde regelmäßig herangezogen, um US-Interventionen – etwa in Libyen und im Irak – zu verurteilen und humanitäre Interventionen insgesamt abzulehnen. In den 2000er Jahren erhob Hu Jintao die „gemeinsame Förderung der Demokratisierung der internationalen Beziehungen“ zu einem zentralen politischen Slogan, wobei seine staatszentrierte Auslegung Demokratie mit Gleichheit zwischen Staaten und nicht mit Demokratie innerhalb von Staaten gleichsetzte.

Diese historische Entwicklung legte den Grundstein dafür, wie die KPCh unter Xi Jinping internationale Beziehungen mit einem doppelten Gegennarrativ auflädt. Erstens erhebt sie einen normativen Anspruch: China präsentiert sich als Verteidigerin grundlegender Normen – wie der Fünf Prinzipien und der UN-Charta – gegen das, was es als selektive Anwendung, einseitige Sanktionen und Interventionismus des Westens bezeichnet. Zweitens verfolgt die Volksrepublik eine strategische Positionierung: Die Demokratisierung der internationalen Beziehungen impliziert eine Umverteilung von Macht zugunsten der Entwicklungsländer und aufstrebenden Mächte, ohne Übernahme liberaldemokratischer Normen. Diese Vision ist ausdrücklich staatszentriert und definiert „Interventionismus“ weit gefasst, sodass auch Kritik von außen als Verletzung der nationalen Souveränität dargestellt wird.

Obwohl guoji guanxi (国际关系) der gängige chinesische Begriff für internationale Beziehungen ist, trägt guanxi – die zweite Komponente – eine kulturspezifische Bedeutung, die über das neutrale Verständnis von „Beziehungen“ hinausgeht. Aus dem Konfuzianismus stammend, bezeichnet guanxi eine Form von Sozialkapital, das auf persönlichen Bindungen beruht und durch den fortwährenden Austausch von Gefälligkeiten Netzwerke aus Verpflichtung, Vertrauen und gegenseitiger Anerkennung schafft. Auf die globale Ebene übertragen werden internationale Beziehungen grundlegend als menschliche Beziehungen verstanden, wobei guanxi – die Fähigkeit, diese zu pflegen – eine zentrale Machtressource darstellt. Entsprechend nehmen zeremonielle Bankette und Gipfeldiplomatie, die dazu dienen, Ansehen zu verschaffen, die Anerkennung des Status zu stärken und ein Netzwerk gegenseitiger Verpflichtungen zu mehren, einen zentralen Platz in der chinesischen Außenpolitik ein.

Von der Forschung zu internationalen Beziehungen erwartet die chinesische Regierung, dass sie zur nationalen Renaissance beiträgt, indem sie Theorien mit „chinesischen Merkmalen” entwickelt, die Chinas Werte, Perspektiven und historische Erfahrungen verkörpern. Sie sieht in der Disziplin ein Instrument, um Chinas Stimme in der globalen Governance zu stärken und eine multipolare, souveränitätszentrierte internationale Ordnung zu gestalten. Unter Xi Jinping richtet sich die Forschungsförderung verstärkt auf seine ideologischen Konzepte; zugleich wurden die Regionalstudien zu einer Disziplin von „herausragender Bedeutung“ (first-tier) in der nationalen Forschungsagenda erhoben, was eine engere Ausrichtung an staatlichen Prioritäten mit sich bringt.

How to cite this article:

Rudyak, M. “International Relations”. In: The Decoding China Project (eds.) The Decoding China Dictionary (2025 ed.), 2025. Berlin: The Decoding China Project. Available from: https://decodingchina.eu/key-term/international-relations/.

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