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Globalisierung

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Key Terms: Globalisierung
Kurzgefasst Globalisierung bezeichnet den Prozess zunehmender Integration und wechselseitiger Abhängigkeit zwischen Nationen, getragen vom grenzüberschreitenden Austausch von Waren, Dienstleistungen, Informationen und Kapital. Erste Formen der Globalisierung…

Kurzgefasst Globalisierung bezeichnet den Prozess zunehmender Integration und wechselseitiger Abhängigkeit zwischen Nationen, getragen vom grenzüberschreitenden Austausch von Waren, Dienstleistungen, Informationen und Kapital. Erste Formen der Globalisierung entstanden bereits im 15. und 16. Jahrhundert, als europäische Mächte ihre Handelsnetze ausbauten und Kolonien gründeten. Der Begriff „Globalisierung“ selbst gewann erst im späten 20. Jahrhundert an Verbreitung – […]

Kurzgefasst

Globalisierung bezeichnet den Prozess zunehmender Integration und wechselseitiger Abhängigkeit zwischen Nationen, getragen vom grenzüberschreitenden Austausch von Waren, Dienstleistungen, Informationen und Kapital. Erste Formen der Globalisierung entstanden bereits im 15. und 16. Jahrhundert, als europäische Mächte ihre Handelsnetze ausbauten und Kolonien gründeten. Der Begriff „Globalisierung“ selbst gewann erst im späten 20. Jahrhundert an Verbreitung – mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Übergang zu marktorientierten Volkswirtschaften, den Fortschritten in Technologie und Transport sowie dem Aufstieg des Internets. 

Von dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis zur Finanzkrise von 2008 dominierte im Westen die Erzählung, wirtschaftliche Globalisierung und Freihandel seien Garanten für Frieden und Wohlstand. Seit den späten 1990er-Jahren wird diese Vorstellung jedoch zunehmend in Frage gestellt. Kritiker:innen bezweifeln die Attraktivität einer neoliberalen internationalen Wirtschaftsordnung und verweisen auf Risiken für wirtschaftliche Sicherheit, nationale Souveränität und soziale Gerechtigkeit.

Vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierungsskepsis im Westen positioniert sich China als einer ihrer entschiedensten Verteidiger. In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum 2017 in Davos erwähnte Xi Jinping den Begriff „Globalisierung“ 24 Mal und erntete dafür großen Beifall. Doch hinter diesem scheinbar neutralen Begriff verbirgt sich eine weniger idealistische Agenda: Bei der Globalisierung mit chinesischen Merkmalen geht es in erster Linie darum, sich gegen westlichen Einfluss zu schützen und andere Länder stärker an China zu binden. 

Analyse

Die Haltung der chinesischen Führung zur Weltwirtschaft war stets von einem klaren Anspruch auf Autarkie (自力更生) und Unabhängigkeit geprägt. Zwar erkennt sie die wirtschaftliche Globalisierung als unausweichlichen Trend und historische Chance für China an, warnte jedoch von Beginn an vor möglichen Risiken und Verlusten, wenn dieser Prozess nicht wirksam gesteuert werde. Gleichwohl entschied sich China, „mutig an der wirtschaftlichen Globalisierung teilzunehmen“ – allerdings stets unter Betonung nationaler Sicherheit und Eigenständigkeit.

China preist zwar die Vorteile wirtschaftlicher Integration, behält aber im Inland umfassende Beschränkungen und strikte Kontrollen über Märkte und Informationsflüsse bei. Seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 hat China seinen Status als Entwicklungsland genutzt, um den Integrationsprozess in die Weltwirtschaft zu steuern und zugleich von Vorteilen für Entwicklungsländer zu profitieren – etwa durch Übergangsregelungen für Subventionen oder Schutzmaßnahmen für Sektoren, welche dem internationalen Wettbewerb besonders ausgesetzt sind.

In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren, als China vor allem einfache Industriegüter exportierte, gaben enge Handelsbeziehungen kaum Anlass zu sicherheitspolitischen Bedenken. Mit dem Aufstieg chinesischer Unternehmen in Spitzentechnologien und der Dominanz bei kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden wuchs die Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Verflechtung mit China.

Ein wesentlicher Treiber der Globalisierung ist der Handel mit Halbleitern und den darauf aufbauenden Elektronikprodukten, der eine eng verflochtene weltweite Lieferkette für Mikrochips hervorgebracht hat. Diese Abhängigkeit hat Angriffsflächen geschaffen, die sowohl China als auch die USA auszunutzen suchen – und die Halbleitertechnologie zu einem Kernschauplatz ihrer Rivalität gemacht. Damit ist eine Dynamik entstanden, in der für viele führende Unternehmen der wichtigste Kunde zugleich der größte Konkurrent ist. Dieses Spannungsfeld erklärt auch, warum der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Telekommunikationskonzerns Ericsson eine Lobbykampagne zugunsten seines Hauptkonkurrenten Huawei startete. Er protestierte gegen den Ausschluss von Huawei-Geräten aus den schwedischen 5G-Netzen aus Gründen der nationalen Sicherheit – nachdem Peking Ericsson im Gegenzug offen mit Gegenmaßnahmen in China gedroht hatte.

Der gegenwärtige globale Trend, wirtschaftliche Beziehungen durch die sicherheitspolitische Brille zu betrachten, markiert einen grundlegenden Wandel in der Wahrnehmung von Globalisierung – in China ebenso wie in anderen Staaten. Druck zur Entkopplung geht sowohl vom Westen als auch von China aus, da auf beiden Seiten die Sorge wächst, dass wechselseitige Abhängigkeit strategisch instrumentalisiert werden können. Als Reaktion auf die wachsende Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern hat China die Strategie der „dualen Zirkulation“ (国内国际双循环), mit einem binnenwirtschaftlichen Kreislauf  und einem internationalen Handelskreislauf, sowie industriepolitische Programme wie „Made in China 2025“ lanciert. Sie sollen Chinas Schwachstellen reduzieren – durch höheren Binnenkonsum, Aufkäufe ausländischer Firmen, Technologietransfer, gezielte Unterstützung einheimischer Chipunternehmen und massive Investitionen in Forschung und Entwicklung. Mit diesem „De-Risking“ begann China tatsächlich lange bevor der Begriff in Brüssel überhaupt aufkam.

Vor dem Hintergrund des Rückzugs der Trump-Administration aus der WTO und weiteren multilateralen Institutionen forderte Xi andere Staats- und Regierungschefs auf, US-amerikanischem Unilateralismus, Protektionismus und Entkopplungsstrategien entgegenzutreten. Damit positioniert er China als verantwortungsbewusste Großmacht – und als Befürworterin einer inklusiven wirtschaftlichen Globalisierung (包容性经济全球化), die weniger entwickelte Länder durch niedrige Zölle und Investitionen begünstigen soll.

How to cite this article:

Oud, M. “Globalisation”. In: The Decoding China Project (eds.) The Decoding China Dictionary (2025 ed.), 2025. Berlin: The Decoding China Project. Available from: https://decodingchina.eu/key-term/globalisation/.

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